FAUTH FOTOGRAFIERT

In St. Peter im Sulmtal  wurde ein Schatz entdeckt! Am Heuboden auf dem Hof von Maria Fauth, Enkelin des weststeirischen Fotografen Franz Fauth (1870–1947),…

02 Mai 2017 / Graz

In St. Peter im Sulmtal  wurde ein Schatz entdeckt! Am Heuboden auf dem Hof von Maria Fauth, Enkelin des weststeirischen Fotografen Franz Fauth (1870–1947), wurden 2016 – zwischen Heu, Stroh, Steinen und Brettern – auf 6m2 unglaubliche 12.000 Glasplattennegative, Fotopositive, fotografische Gerätschaften und andere Dokumente gefunden. Dieser Sensationsfund ist von den Mitarbeitern der Multimedialen Sammlungen des Universalmuseum Joanneum in einer mehrwöchigen „fotoarchäologischen Grabung“ geborgen worden und wurde jetzt im neu gestalteten »Museum für Geschichte« der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

 

WER WAR FRANZ FAUTH?

Landwirt, Motorradbesitzer, Musiker und Fotograf – verheiratet, drei Kinder.  Eine bekannte Person im steirischen Sulmtal und der näheren Umgebung. Bereits 1893 meldete er ein Fotografie-Gewerbe an und investierte ab 1900 in sein Hof-Atelier. Hauptsächlich aber verschrieb er sich der klassischen Portrait-Fotografie.

 

BILDER DER AUSSTELLUNG

Auf 3 Räumen wird einem diese einzigartige Geschichte des Fotografen und seines Nachlasses erzählt. Beginnend mit der »Spurensuche«, die seine Biografie sowie Lebensumstände beinhaltet und uns sein Arbeitswerkzeug sowie seine Technik(en) erläutert. Relikte einer vordigitalen Zeit zeigt uns im zweiten Abschnitt das Equipment von Franz Fauth junior, der »Photo Fauth« weiterführte. Die Leidenschaft für die Fotografie wurde bis zu Enkelin Maria weitergegeben – sie ist heute ehrenamtliche Bildchronistin für die Gemeinde St. Peter im Sulmtal.

Der dritte Teil der Ausstellung zeigt die Portraits* von Franz Fauth sen. Kundinnen und Kunden zwischen den 1910er Jahren und 1945. Es sind unbekannte Personen, aus der näheren Umgebung des Sulmtals oder aus dem Bezirk Deutschlandsberg. Der Zustand der Fotonegative wurde ab 1940 immer schlechter. Der über 70 jährige Fauth war bereits schwer krank und lies unter seiner Anleitung Kinder aus der Nachbarschaft seine Arbeit übernehmen. Die folgenden Bilder sprechen für sich. Anonyme Fotografien von Frauen, Männern, Kindern, Familien, Soldaten… Teilweise sind einzelne Namen überliefert, die meisten gewähren jedoch keine Einblicke in ihr Leben. Bei einzelnen Fotografien konnten Historiker durch die Kleidung (Uniform o. Ä.) oder andere Hinweise einige wenige Details zur Abgebildeten Person und ihrer Geschichte herausfinden.

 

EINDRÜCKE

Man steht vor den namenlosen Bildern und begibt sich auf die Suche. Auf die Suche nach etwas Vertrautem oder Bekanntem, Ähnlichkeiten und eigenen Erinnerungen. Nicht selten hört man: „Der da hinten sieht aus wie Onkel Josef.“ Oder: „Oma Irmi hatte auch so einen Hut.“ Die Ausstellung dieser Bilder ist auf seltsame Art intim – regt die Besucher dennoch an sich über das, was zu sehen ist, zu unterhalten.

Irgendwie ergreift einen das Gefühl, man hätte eine alte Kiste mit Bildern aus der Jugend der Großeltern gefunden und würde jetzt unerlaubterweise drinnen herumwühlen. Vermutlich war genau das auch die Intention der Ausstellungsgestalter. Vermutlich ist es auch Maria Fauth so gegangen, als sie am alten Heuboden die erste Kiste dieses »Sensationsfundes« durchgesehen hat.

Mich hat diese Ausstellung sehr berührt und ich will hiermit eine ganz klare Empfehlung abgeben, sich in die Welt des Portrait-Fotografen Franz Fauth zu begeben. Ein Stück steirische Fotogeschichte wartet darauf entdeckt zu werden!


Die Ausstellung läuft noch bis 08. Oktober 2017
Museum für Geschichte
Sackstraße 16
8010 Graz

Öffnungszeiten
Mi-So 10–17 Uhr

 

* Kenn ihr das, wenn man ein Wort regelrecht nieder starrt, weil man nicht sicher weiß ob man es richtig geschrieben hat? Mir ging es beim Wort »Porträt« so. Ich würde immer »Portrait« schreiben – nach kurzer Recherche weiß ich nun, dass ich die „alte“ Schreibweise bevorzuge… Für mich geht das so in Ordnung.

 

2 Kommentare

  • Maria Fauth sagt:


    3. Mai 2017 um 7:33

    Ich danke ihnen vielmals für ihren so gefühlvollen, wunderbaren Bericht
    und grüße sie sehr herzlich
    Maria Fauth (Enkelin)

    Antworten
    • Eva sagt:


      3. Mai 2017 um 11:38

      Liebe Frau Fauth!
      Es hat mir große Freude bereitet. Eine wahrlich tolle Geschichte, die Sie für uns entdeckt haben und die wir jetzt im Museum bestaunen dürfen!
      Herzlichen Gruß
      Eva Muster

      Antworten

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