Ein Hammerschlag hallt durch die Steiermark! #Luther2017

Der Protestantismus ist ein wichtiger Teil der Steiermark. Die Ausstellung „Ein Hammerschlag…“. 500 Jahre evangelischer Glaube in der Steiermark”…

15 Jun 2017 / Museum für Geschichte

Ein Hammerschlag hallt durch die Steiermark! #Luther2017


Der Protestantismus ist ein wichtiger Teil der Steiermark. Die Ausstellung „Ein Hammerschlag…“. 500 Jahre evangelischer Glaube in der Steiermark” wurde von der Evangelischen Kirche initiiert und konnte im neuen »Museum für Geschichte« des Universalmuseum Joanneum realisiert werden. Eröffnet wurde die Ausstellung einen Tag vor Fronleichnam – einem Fest, dass zwar schon lange vor der Reformation eingeführt, von Luther aber vehement abgelehnt und (vermutlich gerade deshalb) lange im Zeichen der Gegenreformation gefeiert wurde. Eigentlich wirklich ein passendes Datum…

Luthers Hammerschlag in Wittenberg


DER HAMMERSCHLAG

Der “Hammerschlag” ist wissenschaftlich nicht beweisbar und dennoch wurde er von den Kuratoren gewählt, da er von ihnen als durchaus möglich erachtet wird. Und in jedem Fall hat Luthers Thesenanschlag – nun passiert oder nicht – etwas ausgelöst, dass kräftig durch die Steiermark gehallt hat. Die Steiermark stand und steht mit nationalen, europäischen und auch globalen Entwicklungen in Verbindung. Die Bewohnerinnen und Bewohner haben die Geschichte immer beeinflusst und auf diesen Umstand will die Ausstellung hinweisen. Sie stellt Fragen (Wie verhalten wir uns als Gruppe? Wie organisieren wir uns? Wie gehen wir mit Menschenrechten oder Minderheiten um? Wie gehen wir mit den unterschiedlichen Religionen um?) und die Besucherinnen und Besucher können Antworten finden.

Einführung – Protagonisten – Bewegungen

 

Um das Hier und Heute zu verstehen, ist es wichtig die Vorgeschichte zu kennen. In klassischer Weise erläutert die Ausstellung also die Entwicklung reformatorischer Geschichte in der Steiermark und verweist auf die Protagonisten und Gründe der Protestbewegungen. Luther war nicht der einzige und er war nicht alleine: Jan Hus, John Wyclif, Katharina von Siena, Girolamo Savonarola, Ulrich Zwingli und Johannes Calvin – sie alle strebten Reformen der katholischen Kirche an.

LUTHERS LEHRE IN DER STEIERMARK

Nachdem man sich in den ersten Räumen Grundwissen zur Reformation aneignen konnte geht es dann explizit um die Steiermark. Es geht um die vorwiegend protestantischen Steirischen Landstände, die ihr »Landhaus« in Graz als Symbol für das Selbstbewusstsein der Protestantischen Stände gegenüber der Landesfürsten sahen. Es geht um einen berühmten Protestanten, der auch für Graz große Bedeutung hatte: Johannes Keppler. Und es geht ebenso um die Gegenreformation und die große Bedeutung der Jesuiten für die ganze Steiermark.

Was geschah in der Steiermark zur Zeit der Reformation?
Adeliges Paar (Ende 16. Jh.) und Hammerherrenpaar  (17. Jh.) aus dem Bestand der volkskundlichen Sammlung des Universalmuseum Joanneum (Die Figuren wurden in den 1960er Jahren angefertigt)

 

AUSWIRKUNGEN AUF DAS KULTURELLE

Vor allem die Kunst erfuhr durch die Reformen Luthers einen Wandel. Der “Kampf” um die Religion wirkte sich auf die Darstellungen in den zeitgenössischen Medien aus – auch im 16. Jahrhundert gab es “Medienkriege” – damals waren eben die Holzschnitte das Twittern der Zeit. Ebenso beeinflussten die Auseinandersetzungen und Reformen die deutsche Sprache gleichwohl wie die Musik.

Was hat Luther alles beeinflusst? Sprache, Bilder, Medien…

 

SCHATTENSEITEN

Während sich Luther mit dem Judentum und ihren Schriften beschäftigte und anfangs durchaus Sympathien für sie hegte, entwickelte sich dies später zunehmend zu Antisemitismus. Angeblich da er es ihnen übel nahm sich nicht zum Christentum zu bekennen. In seiner Schrift »Von Juden und ihren Lügen« von 1543 stellte er sogar Forderungen wie mit Juden zu verfahren sei. Dieses Sujet wurde im “völkischen” Nationalismus des 19. Jahrhunderts nur zu gern wieder aufgegriffen und nicht erst 1933 bei Luther-Jubiläen hoch politisch thematisiert.

Wo Licht ist – ist auch Schatten. Antisemitismus als dunkle Seite Luthers.

 

(NACH)WIRKUNG DER REFORMATION

Die Ausstellung will reformatorischen Prozess nachzeichnen und sich nicht ausschließlich mit Luther beschäftigen. Sie will kritisch mit der Geschichte, der evangelischen Geschichte, umgehen und zum Diskurs anregen. Menschenrechte und Voruteilsbekämpfung gehört heute ebenso zum (religiösen) Miteinander wie das gemeinsame Vergnügen. Hier kämpfen Evangelische und Katholische Mönche nur mehr am Tischfußballtisch gegeneinander.

In der Ausstellung wird auch auf das Miteinander der Religionen verwiesen und man kann ebenso sein Reformations-Wissen testen (rechts im Bild)
Katholiken gegen Protestanten – hier nur beim Tischfussball

 

PARTIZIPATION

“Ecclesia semper reformanda” – Die Kirche ist immer zu reformieren.
In diesem Sinne will man auch im »Museum für Geschichte« “Input” von seinen Besucherinnen und Besuchern. Der letzte Ausstellungsraum zeigt noch Interviews von – mehr oder weniger – prominenten Steirerinnen und Steirern zur Gretchenfrage “Wie hast du’s mit der Religion?” und dann kann man multimedial seine eigenen Reformwünsche in einen Bildschirm tippen, die sogleich im Hintergrund an die Wand geworfen werden. Man darf auch hier auf die zahlreichen Anregungen gespannt sein.

Keine Reformationsausstellung ohne partizipative BesucherInnen Einbindung


AUSSERDEM:

Die Gestaltung von Erika Thümmel orientiert sich am gedruckten, gesprochenen und gesungenen Wort. Die Lehre Luthers hat sich durch das gedruckte Wort verbreitet und die evangelische Kirche ist immer noch die Kirche des Wortes geblieben. Das Wort ist nicht nur zentraler Bestandteil der Evangelischen Kirche sondern ebenso der Ausstellung. Die Gestalterin räumt selbst ein, dass den Besuchern eine Fülle an Information geboten wird und es sehr viele verschiedene Ebenen gibt, die Ausstellung “zu lesen”. Aber man kann selbst entscheiden ob man “alles mitnimmt” oder lediglich die Überschriften liest und sich von den Räumen “überraschen” lässt. Thümmel blieb auch in der Materialienwahl eher puristisch: Papier, ein wenig Messing und nur hier und da ein bisschen Farbe. Das Schwarz der Druckfarbe dominiert die Räume und gibt den Objekten genügend Raum zu wirken.

Wenn man diese Gestaltung mit der Aachener Ausstellung “Das Ringen um den rechten Glauben” vergleicht, dann könnte der Unterschied größer nicht sein. Schwarze, dunkle Wandgestaltung mit viel Farbe steht hellen Räumen mit “Buchcharakter” gegenüber. Beides interessant, durchdacht und durchaus passend gewählt. Eine Gemeinsamkeit der beiden Gestaltungsversionen ist allerdings, dass es teilweise zu viel ist. Zu viel Schrift, zu viele Objekte (manche scheinen regelrecht noch schnell in die Ecke geschummelt worden zu sein) und zu viel Information. Aber – in beiden Fällen können die Besucher selber entscheiden was und wie viel sie lesen und betrachten möchten ohne das Grundnarrativ der Ausstellung zu verpassen. Der mündige Bürger trifft seine eigenen Entscheidungen! Das sollte man von ihm auch verlangen dürfen… 😉

AUSBLICK:

Ende Juli bzw. Anfang August werde ich mir noch eine dritte Reformations-Ausstellung ansehen:
In Neuburg an der Donau wird am 15. Juli 2017 die große Sonderausstellung »FürstenMacht & wahrer Glaube« eröffnet. Bei dieser Ausstellung wird es dann wohl ganz explizit um den fürstlichen Anteil dieser turbulenten Zeit gehen – wenn auch auf den bayrischen Raum zentriert. Aber ich bin zuversichtlich, dass ich wieder ganz neue Aspekte des Jubiläumsjahres #Luther2017 kennenlernen werde…

 


„Ein Hammerschlag…“ 500 Jahre evangelischer Glaube in der Steiermark

15.06.2017-08.01.2018

Museum für Geschichte
Sackstraße 16
8010 Graz

Mi-So: 10 – 17 Uhr

Informationen unter:
https://www.museum-joanneum.at/museum-fuer-geschichte/ausstellungen/ausstellungen/events/event/5510/ein-hammerschlag

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Über mich


Eva Muster
Historikerin – Museologin
Kulturblogger-Anfängerin
unterwegs in Österreich & Deutschland

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